Geschichte der Orgel

Mühleisenorgel St. Stephan

Von der im Jahre 1710 gebauten Orgel im mainfränkischen Barockstil ist nur noch der kunstvoll gestaltete Prospekt erhalten. Er gehört zu den kunsthistorisch wertvollsten und ältesten erhaltenen Orgelprospekten der Region. Der Name des Erbauers ist leider unbekannt.

Im Jahr 1892 erfolgte der Neubau eines deutlich größeren, romantisch geprägten Instruments durch den Orgelbauer Georg Friedrich Steinmeyer aus Öttingen. 1942 wurden durch die Firma Steinmeyer ein Schwellwerk und ein drittes Manual eingebaut sowie umfangreiche Änderungen und Erweiterungen in den Teilwerken vorgenommen.

Das quasi neu entstandene Instrument wurde jedoch bereits etwa 20 Jahre später als zum barock gestalteten Ambiente unpassend empfunden. Deshalb beschloss man 1963 die Anschaffung einer neuen Orgel und beauftragte damit die Firma Ott aus Göttingen. Dieses Instrument wurde 1966 fertiggestellt, doch die damals eingesetzte Technik erwies sich auf Dauer als unausgereift und störanfällig. Des weiteren waren durch die verschiedenen Umbauten erhebliche statische Probleme am Prospekt entstanden, der sich bedrohlich nach vorn zu neigen begann.

So blieb als einzig sinnvoller Weg, eine umfangreiche Prospektsanierung vorzunehmen und damit den Einbau einer neuen Orgel zu verbinden. Für das Haupt- und Oberwerk wurden die Disposition der Barockorgel von 1710 und für das romantisch konzipierte Schwellwerk die Disposition der Steinmeyer-Orgel von 1892 zugrunde gelegt. Im Jahr 2005 erging der Auftrag für die neue Orgel und die statische Sanierung des Prospekts an die Werkstätte für Orgelbau Mühleisen in Leonberg. Die Restaurierung des Prospektes übernahm die Firma Roland Wunderlich aus Bad Mergentheim. Am 27. 4. 2008 erfolgte die Orgelweihe.

Der historische Prospekt wurde dabei mit den tragenden Elementen der Orgel fest verbunden, was eine nachhaltige Stabilität garantiert. Ebenso wurden die Ziele des Neubaus in vollem Umfang erreicht: Die klangliche Einheit von Raum, Prospekt und Instrument sowie die stilistische Verbindung von Tradition und Gegenwart. Die insgesamt 3556 Pfeifen zählende Orgel bringt eine schier unerschöpfliche Klangvielfalt hervor und vermag mit ihrer extrem hohen Dynamik die Kirche auf unterschiedlichste Weise klanglich auszufüllen. Im Jahr 2012 wurde es zudem durch eine großzügige private Spende möglich, die Orgel um ein "Engelsspiel" mit 25 Röhrenglocken zu erweitern.

(Text: Christfried Weidhas und Hans-Helmuth Schneider)